kulturperle

Golden Door

Ein Kunstfilm in epischer Breite mit aussergewöhnlich visueller Umsetzung. Ein Schwelgen in metaphorischen Bildern – auf Kosten der Erzähldramaturgie. 6 von 10 Filmperlen.

2.5 Filmperlen2.5 von 5 art-tv Filmperlen

5 = Meisterwerk | 4 = sehr gut | 3 = sehenswert | 2 = na ja | 1 = Schrott

Synopsis:Sizilien, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Bauernfamilie Mancuso bestellt seit Generationen dasselbe karge Land. Eines Tages trifft Salvatore eine bedeutsame Entscheidung: Er verkauft all sein Hab und Gut, um über den Ozean in das gelobte Land und in ein besseres Leben zu reisen. Doch um das „Goldene Tor“ zu passieren, müssen die Mancusos ein Stück ihrer alten Identität zurücklassen und eine neue annehmen. Vier schwierige Wochen an Bord eines Schiffes mit vielen unterschiedlichen Menschen, wie der unnahbaren Lucy, von der niemand weiss, woher sie kommt und wohin sie geht. Salvatore fühlt sich sofort zu der geheimnisvollen Schönen hingezogen….

Kritik: GOLDEN DOOR, Das Goldene Tor – Metapher für den Eintritt in eine neue, unbekannte Welt, Amerika. Ein Land der Superlative, das Paradies schlechthin. Es regnet Geld von den Bäumen, es wachsen riesige Früchte und Gemüse, Hühner sind so gross wie Ziegen. So jedenfalls stellen sich die Protagonisten in GOLDEN DOOR die Welt jenseits des Atlantiks vor. So haben sie es auf Postkarten gesehen.
Hintergrund von Crialeses Film ist die italienische Auswanderungswelle in die USA zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts. Zwischen 1876 und 1976 haben mehr als 26 Millionen Italiener ihr Glück in der Neuen Welt versucht. Alle standen sie vor dem „Goldenen Tor“, gleichbedeutend mit Ellis Island, der Quarantäneinsel vor Manhattan, New York. GOLDEN DOOR ist kein gefälliges Einwandererepos. Schauspiel und Dialoge werden konsequent der überaus starken Bildsprache untergeordnet. Dabei wirken die langatmige Exposition und die langen Einstellungen bisweilen eher ermüdend denn faszinierend. Unnötige Wiederholungen erzeugen Langeweile und unterbrechen den Erzählfluss. Aufgrund der dominanten Bildsprache bleiben die Charaktere fremd und unnahbar. Mit Ausnahme von Vincenzo Amato in der Rolle des Salvatore Mancuso. Seine Darstellung der Abkehr vom archaisch geprägten Leben und Hinwendung zu einer neuen Existenz in der Moderne ist anrührend und authentisch. (IF)

(Regie: Emanuele Crialese / Italien,Frankreich 2006 / mit Charlotte Gainsbourg, Vincenzo Amato, Francesco Casisa u.a. / 118 Minuten / Start: 10. Mai 2007)

 

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