Visions du Réel | Reprocessing Reality
„Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen überall hin!“ Dieser rebellische Spruch könnte als Kurzbiografie von Susan Mogul dienen. Durch ihr 40-jähriges Werk zieht sich eine entwaffnende Selbstironie, ohne je ins Lächerliche abzudriften. Die eigenwilligen Filmsprache macht Susan Mogul zu einer spannenden Kandidatin für die Sektion Reprocessing Reality im Festival Visions du Réel, die sich der Schnittstelle von Film und Videokunst widmet.
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Susan Moguls Kurzfilme, die in den 70er Jahren im Rahmen einer feministischen Arbeitsgruppe entstanden, strotzen nur so vor unbändiger Experimentierfreudigkeit und Kampfeslust. Aber anders als vieles im feministischen Diskurs, sind die Bilder nicht nur provozierend, sondern auch witzig und lustvoll.
«In Take Off» (1974) vergnügt sich die Cineastin mit einem Vibrator und kreiert eine absurd komische Interpretation der weiblichen Selbstbefriedigung. Auch in «Dressing Up» (1973) dekonstruiert sie die gängigen Darstellungen von Erotik und unterminiert die Erwartungshaltungen an ein Frauenbild, das nur die männliche Perspektive berücksichtigt. Anstatt verführerisch zu strippen, zieht sie sich langsam und Erdnüsse schmatzend an, während sie den Aktions-Preis jedes Kleidungsstückes nennt. «Big Tip Back Up Shut Out» (1976) lässt ihre ganz persönliche Fantasie, einmal als Komikerin zu brillieren, gnadenlos scheitern – eine Metapher auf die Einsamkeit des Künstlers. Mittels eines erfrischend witzigen Videobriefs konfrontiert sie in «Dear Dennis» (1988) den Superstar Dennis Hopper mit Details ihrer Mundhygiene. Diese provokativen und spielerischen Auseinandersetzungen mit der weiblichen Identität haben als amüsante Symbiose künstlerischer und feministischer Anliegen Kultstatus erreicht und werden weltweit in Ausstellungen und Kursen gezeigt.
In den 90er Jahren nutzt die New Yorkerin die Videokamera als emotionales Vergrösserungsglas, um in «Prosaic Portraits, Ironies and Other Intimacies» (1991) ihre Wurzeln und in «Everyday Echo Street: A Summer Diary» (1993) ihre Umgebung und ihr unerfülltes Sexleben während eines Sommers in ihrer Wahlheimat Los Angeles filmisch zu verarbeiten. Sarkastisch kommentiert sie das Liebesspiel zweier Tauben auf ihrem Vordach. Der Spagat zwischen Humor und Traurigkeit gelingt ihr auch in Sing, «O Barren Woman» (2000); hier gibt sie zehn singenden Frauen eine Stimme, die, wie Susan Mogul selbst, die Wahl getroffen haben, keine Kinder zu kriegen. Mit diesen Arbeiten entfernt sie sich von der Videokunst und kreiert eine eigenwillige Version des autobiografischen Filmtagebuchs mit ethnographischen Zuügen.
Ihre bevorzugte Spezies, die sie filmisch untersucht, sind nun die Männer. In «I Stare at You and Dream» (1997) sowie «Sweet Talking Guy» (2002) beschattet sie ihre männlichen Objekte der Begierde, liebkost und bedrängt sie mit ihrer Kamera, um die verschiedenen Gesichter in schnell geschnittenen Sequenzen gegeneinander auszuspielen. «Driving Men» (im Internationalen Wettbewerb der Visions du Réel 2008) kumuliert schliesslich ihre gesamte Filmographie– sie greift alle ihre Kernthemen wieder auf und beleuchtet sie neu. Mit diesem Roadmovie spührt sie den Männern in ihrem Leben nach, um ihren eigenen Beziehungsängsten auf den Grund zu gehen.
Grand Débat: Susan Mogul
Reprocessing Reality | Fr, 24. April, 19.30 Uhr | World-Dreams Capitole 1 Leone
Filme im Festivalprogramm:
I Star at You and Dream | So, 26. April, 18 Uhr | World-Dreams Capitole 2 Fellini
Prosaic Portraits, Ironies and Other Intimancies | So, 26. April, 18 Uhr | World-Dreams Capitole 2 Fellini
Driving Men | Mo, 27. April, 18 Uhr | World-Dreams Capitole 2 Fellini
Sing, O Barren Woman | Mo, 27. April, 18 Uhr | World-Dreams Capitole 2 Fellini
















