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Völkerkundemuseum ZH | Sofabilder

Der Luzerner Fotograf Fabian Biasio lebte ein halbes Jahr in Indiens heiliger Stadt Varanasi. Was er dort gemacht hat, zeigt seine Ausstellung im Völkerkundemuseum der Universität Zürich.

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Varanasi gilt als Stadt des Gottes Shiva Vishwanath („Oberster Herr der Welt“) und als eine der heiligsten Stätten des Hinduismus. Seit mehr als 2500 Jahren pilgern Gläubige in die Stadt, einem Zentrum traditioneller hinduistischer Kultur und Wissenschaft.

Die Konferenz der Schweizer Städte für Kulturfragen KSK betreibt in Varanasi ein Künstleratelier. Der Fotograf Fabian Biasio aus Luzern hatte 2008 die Gelegenheit, als Artist in Residence in Varanasi zu arbeiten. Ihn interessierte das Leben der verschiedenen Kulturen dieser religiös aufgeladenen Stadt. Als Fotograf wollte er wissen, wie hinter den Fenstern und Mauern der Häuser Varanasis gelebt wird. Die Fotokamera öffnete ihm viele Türen. Biasio realisierte Familienbilder („Sofabilder“) von Stadtbewohnern – Hindus, Moslems, Christen, von Reichen und Armen, Jungen und Alten.

Der Fremde mit dem überdimensionierten Fotoapparat (Biasio fotografierte mit einer Linhof-Grossformatkamera) brachte für zwei, drei Stunden eine willkommene und interessante Abwechslung in die gewohnte Umgebung. Mit der Entstehung eines Familienporträts konfrontiert, stellten sich den Betroffenen plötzlich ungeahnte Fragen: Wer sitzt im Zentrum des Bildes? Wer darf das Baby im Arm halten? Die Ausstellung verdeutlicht, welch bewusste oder unbewusste Inszenierung die Porträtierten in Gang setzten. Die Bilder werden zu Zeugen unterschiedlicher Familiendynamiken und interner Sippenpolitik.

Aussergewöhnlich ist auch die Präsentation: Fabian Biasio liess seine Sofabilder auf handgewobene Rohseide drucken, bei deren Herstellung keine Seidenraupen zu Schaden kommen. Mit dem Schnitzen der Rahmen beauftragte er einen Schreiner vor Ort. Die Rahmen wurden aus indischem Teakholz, das aus einer staatlich bewirtschafteten Holzplantage stammt, maschinengefräst und handgeschnitzt. Zwei bis drei Personen aus Varanasi waren einen Monat mit der Produktion der 25 Rahmen voll beschäftigt.

Ein Audioguide führt durch die Ausstellung und liefert aufschlussreiche Hintergrund-Informationen zu den einzelnen Sofabildern. Sie werden ergänzt durch eine Tonbildschau mit Impressionen aus Varanasi. Die Schau gewährt Einblick hinter die bröckelnden Fassaden der prachtvollen Maharadscha-Paläste am Ganges und zeigt die uralte heilige Stadt in ihren rätselhaften Widersprüchen, von ihren hässlichsten und schönsten Seiten.

Infos title=

Völkerkundemuseum der Universität Zürich, Ausstellung verlängert bis 3. Oktober 2010


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