Visions du Réel | Something about Georgia
Russische Invasion im Süd-Ossetien. Trennung oder Unabhängigkeit? «Something about Georgia» von Nino Kirtadze ist ein wahrhafter, sensibler "Kriegsfilm".
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Synoptis Der Film von Nino Kirtadze taucht im wahrsten Wortsinn in den Krieg ein, den Russland im August 2008 in Süd-Ossetien und Abchasien gegen Georgien geführt hat. Es geht um die unter den Augen und mit dem Wissen der internationalen Gemeinschaft mit Füssen getretene Integrität eines Landes. Russland stellt sich auf die Seite der Separatisten in Süd-Ossetien und Abchasien, um Georgien zu schwächen, das diese Unabhängigkeitsbestrebungen gewaltsam unterdrückt hat. Der georgische Präsident Micheil Saakaschwili steht für den historischen Bruch mit der kommunistischen Ära und die Demokratiebestrebungen eines Landes, das sich entschlossen der Europäischen Union zugewandt hat. Unter Missachtung der Unabhängigkeit aller Staaten versucht Russland diese nationale Befreiung zu verhindern und besetzt 20% seines Territoriums. Hellsichtig beschreibt Nino Kirtadze die Ereignisse in ihrer ganzen Komplexität. Die aussergewöhnlichen, im Umfeld von Präsident Saakaschwili gedrehten Szenen – selten wurde man unter solchen Umständen Zeuge von Machtausübung – entfalten ihren Sinn erst im Bezug auf die Realität des Krieges und das Leben der Menschen, wie es in den Berichten der Journalisten vorkommt. Zugleich unmittelbare Aufzeichnung der aufsehenerregenden Ereignisse, Beobachtung der Machtmechanismen und Beschreibung ihrer weltweiten Medialisierung, enthält die Geschichte auch eine Rückblende, die verdeutlicht, was bei den Präsidentschaftswahlen Anfang 2008 auf dem Spiel stand.
Wertung So wird «Something about Georgia» zu einer fortschreitenden Reflexion, die mit ihren Landschaftstotalen im Dämmerlicht bald einen meditativen Charakter annimmt. Hauptfiguren des Films sind jedoch jene Männer und Frauen hinter den Fenstern und auf den Türschwellen ihrer manchmal zerstörten Häuser. Nachts sieht man die erleuchteten Rechtecke, hinter denen sie wohnen und hinter denen man Sorge und Unsicherheit vermutet. Starke Bilder. Nino Kirtadze versteht es, uns diese Menschen zu zeigen. So wirft dieser Film einen universellen Blick auf alle Kriege und ihre grundsätzlich unerträgliche Brutalität. Die Filmmusik trägt ihren Teil zu diesem verblüffenden Schauspiel bei, das durch seine die kleine mit der grossen Geschichte verknüpfende Dramaturgie die Dimensionen einer Tragödie annimmt.
Visions du Réel | Sa, 17. April 2010 | 20:00 Uhr | Salle communale
Wiederholung | Mo, 19. April 2010 | 09:00 Uhr | Capitole 1 Leone
Regie: Nino Kirtadze
Frankreich | 2009 | 96'
Für den Spezial Preis SSR SRG idée suisse hat die ein wenig gespaltene Internationale Jury zwei Filme ex-aequo gekürt. Für das Eintauchen in zeitgenössische, von Gewalt beherrschter Realitäten: «Sainte Anne, Hôpital Psychiatrique» von Ilan Klipper, Frankreich und «Something about Georgia» von Nino Kirtadzé, Frankreich.

















