
© 2013 Jesco Tscholitsch
Serie 2 | Superhero | JESCO TSCHOLITSCH | Queen Mantra
Für alle rastlosen Gehirne
Wenn sich das Gehirn am Abend im Bett im Leerlauf dreht und Stress statt Ruhe einkehrt, dann hört Queen Mantra zu.
Wie begründen Sie Ihre Tätigkeit?
«Ich bin selber ein ziemlich rastloser Mensch, finde kaum Ruhe und Entspannung und habe mich nach meinem Studium intensiv mit dieser Plage beschäftigt: Warum sind wir so unzufrieden, ziellos und gestresst, obwohl es uns eigentlich gut gehen sollte? Die Rastlosigkeit und Optionsvielfalt, Karriereziele und das Produktivitätsdenken, dazu der ganze elektronische Informationsüberfluss zwingen uns zu ruhelosem Quengeln ohne Genussfähigkeit. Ich bin gerade dabei, ein Buch zu schreiben, und alle, die mich anrufen, helfen mir diesem Phänomen auf den Grund zu gehen. Ich bin eine sehr gute Zuhörerin, nehme jedes Anliegen ernst und hüte mich davor, Ratschläge zu erteilen. Ich bin also wie eine gute Freundin, die man auch um zwei Uhr morgens anrufen kann. Am Schluss des Gespräches suchen wir dann zusammen ein Mantra, das ich hundertmal in den Hörer sage oder das die Betroffenen selber vor sich her sagen können. Unser Gehirn macht zwar nur zwei Prozent unseres Körpergewichts aus, arbeitet aber so hart, dass es 25 Prozent des aufgenommenen Sauerstoffs verbraucht. Manchmal hält uns unser rastloses Gehirn nachts nur wach, um die Arbeit des Tages abzuschliessen.
Ich kenne einen Arzt, der seine Tendenz zur Zwanghaftigkeit abmildert, indem er Mitgefühl für sein überarbeitetes Gehirn entwickelt und «armes Gehirn, schon wieder so viel harte und unnötige Arbeit» bis zur einschlafenden Erschöpfung vor sich hin murmelt.»
Zur Person
1979 | Bern | arbeitet als Psychologin
Weitere Infos
Die Fotografien von Jesco Tscholitsch werden im Rahmen der art-tv Serie «Bild des Monats» gezeigt. Formal und inhaltlich eigenwillige Arbeiten in unverwechselbarer Qualität sind hier zu entdecken, vom Fotografen selber ausgewählt. Zwölf bisher unveröffentlichte Bilder pro Jahr, ein Bild pro Monat, in bewusster Entschleunigung, als Kontrapunkt zur digitalen Bilderflut. Die Bilder des Monats werden nach Ablauf einer Serie in einer speziellen art-tv Edition angeboten und im Rahmen der ewz.selection präsentiert.
Zum Fotografen
Jesco Tscholitsch, geboren 1973 in Stans, assistierte nach der Primarlehrerausbildung beim Fotografen James G. Perret in Luzern. Er arbeitete als Operateur im Kino, später als Bildredaktor bei einer Tageszeitung und als Fotograf für Getty Images.
Seit 2000 setzt er freie Projekte und Auftragsarbeiten als freischaffender Fotograf für Ausstellungen, Werbeagenturen und die Bildagentur Corbis um.
Er lebt und arbeitet mit seiner Frau Monika Kunz Tscholitsch und den beiden Töchtern Jakobina und Ida in Emmenbrücke.
In seinen freien Projekten beschäftigt sich Tscholitsch vor allem mit der Konsumgeneration. Die Fragen, die dabei entstehen, lassen Spielraum für eigene Interpretationen, und die Betrachter sehen die Komik oder Tragik nach eigenem Ermessen. Inwieweit sich das Publikum mit einer dargestellten Szene identifiziert, endet oft in einem Kampf zwischen Selbstbetrug und Fehleinschätzung.


























