Museum der Kulturen Basel | Times of waste

Times of Waste – Was übrig bleibt | Museum der Kulturen Basel | 23. April bis 24. September 2017 | Spezialführung Audiowalk «wastescapes», der Bewegungen von Menschen, Tieren, Pflanzen, Materialien und Gütern nachgeht: 5./6./12./13. Mai und 10. Juni 2017 (weitere Infos siehe Homepage).

Museum der Kulturen Basel | Times of waste

Wo Leben ist, wird Abfall produziert, was reingeht, muss wieder raus. Abfall wird je nach Kontext als vielversprechende Ressource oder unvermeidlicher Rest wahrgenommen. Eine Ausstellung dreht sich um die Reste jenes Stücks Hochleistungselektronik, das uns im Alltag so bezaubert: das Smartphone.

Gold zu Stroh
Als typisches Durchlaufprodukt unserer Zeit, hinterlässt das Smartphone viele Formen von Abfall: Schlacken, veränderte Landschaften und Menschen, die unter unwürdigen Bedingungen arbeiten. Die meisten Abfälle fallen schon vor seinem Gebrauch an – beim Rohstoffabbau in den Minen und deren Extraktion. Auch beim Recycling bleiben viele Abfälle und qualitativ minderwertige Materialien zurück. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, wo man das Recycling als «Stroh zu Gold» schmackhaft zu machen sucht, lautet die Alchemie ernüchternd: Gold zu Stroh. Bezogen auf die Abfallproduktion ist das allerdings immer noch besser als gar kein Recycling.

Sich in die Karten blicken lassen
Die Ausstellung im Museum der Kulturen Basel gibt einen Einblick in das noch bis Ende Jahr laufende Forschungsprojekt «Times of Waste», das auf dem Vorgängerprojekt RhyCycling – Grenzraum im Fluss aufbaut. Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW untersuchte die vielfältigen Routen, stofflichen Transformationen und überraschenden Verflechtungen eines in Basel gekauften Smartphones aus einer materialistisch-ästhetisch-theoretischen Perspektive. Recherchen führten die Forschenden von Deponien über Schredder, Reparaturwerkstätten, Prüfanstalten bis zu Entwicklungsprogrammen und Forschungslabors. Sie versuchten herauszufinden, welche Abfälle zu welchem Zeitpunkt wie anfallen, wo diese jeweils hingehen und wie sie das Leben und die Umwelt derjenigen beeinflussen, die damit zu tun haben. Das war nicht einfach. Nicht nur, weil das Smartphone ein aus rund 50 Rohstoffen bestehender Computer im Miniformat ist, dessen Vor- und Nachleben kompliziert und vielfältig ist, sondern auch, weil es an entscheidenden Stellen schwierig war, konkrete und brauchbare Informationen zu bekommen. Immer wieder wollten sich angefragte Stellen nicht in die Karten schauen lassen. Nichtsdestotrotz wurden Betriebe und Menschen gefunden, die offen waren und ihr Wissen teilten – und somit diese Ausstellung ermöglicht haben.

Und was bleibt zu tun?
Die Ausstellung ist eine Assemblage verschiedener Fragmente, die assoziativ zusammenspielen: eine Videoprojektion mit atmosphärischen Landschaften, ein Tonessay zur Objektbiografie eines Smartphones und ein modellhaftes Metall-Relikt. Dessen Innenleben archiviert jenes geologisch-materielle Nachleben, das die Smartphone-Entsorgung hervorbringt: Verschiedene Granulate, Schlacken oder Metalle. Sie zeugen davon, dass die Menschen auf der Suche nach Rohstoffen nicht nur die Erdkruste abtragen, sondern sie auch mit neuartigen Abfall-Materialien anfüllen. Um die ausgestellten Abfälle, Steine, Karten, Bilder, Grafiken und Töne gruppieren sich verschiedene Texte, die aus unterschiedlicher Perspektive der Frage nachgehen: Wo geht das hin, was jeweils übrigbleibt? Und was bleibt zu tun?

Infos

Times of Waste – Was übrig bleibt | Museum der Kulturen Basel | 23. April bis 24. September 2017 | Spezialführung Audiowalk «wastescapes», der Bewegungen von Menschen, Tieren, Pflanzen, Materialien und Gütern nachgeht: 5./6./12./13. Mai und 10. Juni 2017 (weitere Infos siehe Homepage).


Sehen Sie auch

Kunstpreis Basel-Landschaft | Andrea Wolfensberger
Rapperswil-Jona | Reisen zwischen Sprachen
Swiss Pop Art I Aargauer Kunsthaus
Musée des beaux-arts du Locle
Zentrum Paul Klee Bern | Die Revolution ist tot. Lang lebe die Revolution!
sic! Raum für Kunst Luzern | Laurence Rasti | «Il n’y a pas d’homosexuels en Iran»
Winkelriedhaus | Gastprojekt Kunsttreff 13: in cavo | Raphael Egli: Ich möchte deinen Körper spüren
Kunstmuseum Liechtenstein | Who pays? | Kunst und Kapital
Kunstmuseum Luzern | Bertrand Lavier
Photoforum Pascuart Biel | Salvatore Vitale
Kunstmuseum Solothurn | Gilgian Gelzer | Pencilmania

Weitere Beiträge auf art-tv.ch

lauschig 2017 | Literatur unter freiem Himmel

lauschig 2017 | Literatur unter freiem Himmel

Am 17. Juni 2017 beginnt die neue lauschig-Saison. 7 Literaturabende bieten Literatur...

Kunstmuseum Luzern | Gilles Rotzetter. Swiss Atom Love | Die Schweiz und ihre Atombombe

Kunstmuseum Luzern | Gilles Rotzetter. Swiss Atom Love | Die Schweiz und ihre Atombombe

Die Gemälde von Gilles Rotzetter (*1978) sind figurativ, direkt, roh, heftig, nur...

Clash

Clash

Kairo im Sommer 2013. Das Militär stürzt den ersten frei gewählten Präsidenten...

Song to Song

Song to Song

Musikproduzent Cook ist eine ebenso erfolgreiche wie exzentrische Persönlichkeit der berüchtigten Musikszene...

Buchtipp | Zürich Insider Guide

Buchtipp | Zürich Insider Guide

Rund 30 Reiseführer soll es über Zürich bereits geben. Der schätzungsweise 31-igste...

«Die Antwort ist das Unglück der Frage» I Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell

«Die Antwort ist das Unglück der Frage» I Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell

Die Kunst soll Fragen aufwerfen, Museen Antworten liefern: «Die Antwort...» «...ist das...

akku Kunstplattform Emmen | Aline Zeltner |

akku Kunstplattform Emmen | Aline Zeltner |

Kritisch, neugierig, offen, so geht Aline Zeltner «rund herum» in der Welt....

Fotostiftung Schweiz | Dominic Nahr | Blind Spots

Fotostiftung Schweiz | Dominic Nahr | Blind Spots

Seine Bilder sind brutal und schön zugleich, Leben und Tod liegen beieinander....

Kunstmuseum Basel | Richard Serra

Kunstmuseum Basel | Richard Serra

Der US-Künstler Richard Serra wird vor allem mit seinen monumentalen Stahlplastiken in...

Calabria

Calabria

Nach dem Tod eines kalabresischen Immigranten, der zum Arbeiten in die Schweiz...

Ein deutsches Leben

Ein deutsches Leben

Die 1911 in Berlin geborene Brunhilde Pomsel blickt mit ihren 105 Jahren...

tanz&kunst königsfelden | Bolero. Tanz der Feuertaube

tanz&kunst königsfelden | Bolero. Tanz der Feuertaube

In der neusten Kreation von tanz&kunst königsfelden ist die Tanzcompagnie Flamencos en...


Partner

unterstützt art-tv.ch

Anzeige